Gartengedichte

Der traurige Garten

Frische Liedlein.

Ach Gott, wie weh thut Scheiden,
Hat mir mein Herz verwundt,
So trab ich über Helden,
Und traure zu aller Stund,
Der Stunden der sind alsoviel,
Mein Herz trägt heimlich Leiden,
Wiewohl ich oft fröhlich bin.

Hät mir ein Gärtlein bauet,
Von Veil und grünem Klee,
Ist mir zu früh erfroren,
Thut meinem Herzen weh;
Ist mir erfrorn bei Sonnenschein
Ein Kraut je länger je lieber,
Ein Blümlein Vergiß nicht mein.

Das Blümlein, das ich meine,
Das ist von edler Art,
Ist aller Tugend reine,
Ihr Mündlein das ist zart,
Ihr Aeuglein die sind hübsch und fein,
Wann ich an sie gedenke,
So wollt ich gern bei ihr seyn.

Mich dünkt in all mein Sinnen,
Und wann ich bei ihr bin,
Sie sey ein Kaiserinne,
Kein lieber ich nimmer gewinn,
Hat mir mein junges Herz erfreut,
Wann ich an sie gedenke,
Verschwunden ist mir mein Leid.

Achim von Arnim

Der Garten

In einem Garten weil' ich gerne
Im Dämmerschein,
Und blicke sehnend in die Ferne
So ganz allein.
Die Sterne droben wandeln still
Und ich kann träumen, wie ich will
In einem Garten.

In einem Garten in der Kühle
Da träumt sich's gut,
Das Herz mit seinem Wehgefühle
Ist still und ruht.
Und Vöglein singen im Gebüsch,
Und Blumen duften balsamfrisch
In einem Garten.

In einem Garten ging ich wonnig
An Liebchens Hand;
Die Auen lachten maiensonnig
Und alles Land.
Es war so schön, so wunderschön,
Nun immer möcht' ich mich ergchn
In einem Garten.

In einem Garten möcht' ich schlafen
Im Mutterschoos.
Ein Blumengrab mein Friedenshafen,
Mein Bettlein Moos.
Ihr Freunde, keinen Leichenstein!
Sterb' ich, so senkt mich liebend ein
In einem Garten.

Ludwig Bechstein


Im Garten

Die hohen Himbeerwände
Trennten dich und mich,
Doch im Laubwerk unsre Hände
Fanden von selber sich.

Die Hecke konnt' es nicht wehren,
Wie hoch sie immer stund:
Ich reichte dir die Beeren,
Und du reichtest mir deinen Mund.

Ach, schrittest du durch den Garten
Noch einmal im raschen Gang,
Wie gerne wollt' ich warten,
Warten stundenlang.

Theodor Fontane
Aus der Sammlung Lieder und Sprüche

Der alte Garten

Kaiserkron und Päonien rot,
Die müssen verzaubert sein,
Denn Vater und Mutter sind lange tot,
Was blühn sie hier so allein?

Der Springbrunn plaudert noch immerfort
Von der alten schönen Zeit,
Eine Frau sitzt eingeschlafen dort,
Ihre Locken bedecken ihr Kleid.

Sie hat eine Laute in der Hand,
Als ob sie im Schlafe spricht,
Mir ist, als hält ich sie sonst gekannt –
Still, geh vorbei und weck sie nicht!

Und wenn es dunkelt das Tal entlang,
Streift sie die Saiten sacht,
Da gibts einen wunderbaren Klang
Durch den Garten die ganze Nacht.

Joseph Freiherr von Eichendorff

In meines Vaters Garten

In meines Vaters Garten
Da steht ein Rosenstrauch.
Die Rosen wollen blühen,
Mein Mund will blühen auch.

In meines Vaters Garten
Verbarg ich mein Kind mit List.
Die Eltern würden es schlagen,
Weil es unehelich ist.

In meines Vaters Garten
Verwein ich all mein Blut.
Ich muß die Rosen begießen,
Daß keine welken tut.

In meines Vaters Garten
Die schönste Rose brach der Wind.
Die Blüten sind zertreten,
Getötet hab ich mein Kind.

(Alfred Henschke) Klabund


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